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Zitatensammlung

Interview mit Rudi Völler nach dem EM-Qualifikationsspiel gegen Island (0:0) am 06.09.2003

GD: Gerhard Delling     GN: Günter Netzer     WH: Waldmar Hartmann     RV: Rudi Völler

1. Akt: Die Spiel-Analyse von Gerhard Delling und Günter Netzer, Sportschau (0:35)

GD: "Tja, spätestens jetzt ist klar: Die Samstagabend Fernsehunterhaltung steckt in einer tiefen Krise. Wenn man sagt, das Spiel war enttäuschend, dann ist das eindeutig ein bisschen zu wenig. Wenn man sagt, das ist so, dass es ein bisschen frustrierend ist, ist das zu passiv. Wenn man sagt, das war heute wieder mal ein absolut neuer Tiefpunkt, trifft es das?"

GN: "Ja, es ist ein Tiefpunkt und ich verstehe die Spieler auch nicht. Zum Schluss jetzt auch noch Kehl. Warum sagen sie nicht einfach, das war ein schöner Mist, was wir da heute gespielt haben. Da gibt es keine Entschuldigung für. Sucht er nach den Stärken von Island, was die alles besser können und was die hier gemacht haben, das darf doch nicht das Kriterium sein. Das ärgert mich ein wenig."

2. Akt: Rudi Völler im Interview mit Waldemar Hartmann, Sportschau (7:55)

WH: "Rudi, herzlich Willkommen. Als Teamchef meiner Meinung nach hat man nach so einem Spiel zwei Möglichkeiten. Die eine ist, man stellt sich vor die Mannschaft, weil man weiß, man braucht sie am Mittwoch im Spiel gegen Schottland wieder, und die andere ist, mit harten Worten diese Mannschaft aufrütteln, weil man sie am Mittwoch wieder braucht und vielleicht ganz anders wie heute. Für welche haben Sie sich entschieden?"

RV: "Beides, möchte ich mal so sagen, man muss ja beides versuchen, ist ja ganz klar. Natürlich bin ich heute - ich war nach dem Faröerspiel etwas belächelt, als ich die Mannschaft bisschen in Schutz genommen habe. Das ist natürlich heute schwierig, vor allem weil wir besonders in der zweiten Halbzeit viel zu behäbig gespielt haben. In der ersten Halbzeit haben wir es noch ganz ordentlich gemacht, hatten eigentlich die Isländer recht gut im Griff, haben uns die eine oder andere Torchance auch erarbeitet. Aber die zweite Halbzeit war einfach zu wenig, da kamen auch Impulse aus dem Mittelfeld zu wenig, vorne im Sturm konnten wir uns kaum durchsetzen und wir haben uns eindeutig auch zu wenig bewegt. Das ist sicherlich ein Ansatzpunkt und eins ist klar, am Mittwoch können nur Spieler auflaufen, die von vornherein das Versprechen abgeben, dass sie hundertprozentig laufen und für die Mannschaft absolut da sind."

WH: "Da müssen wir auch Tore schießen gegen Schottland und da haben wir die Qual der Wahl. Aber wir haben keine, die verletzt sind, also alle die in Deutschland den Adler tragen, die einen deutschen Pass haben, die Tore schießen können, sind an Bord und trotzdem ist das das Problem in der deutschen Nationalmannschaft. Wie kann man das beheben?"

RV: "Ja, wir müssen dran arbeiten. Wir müssen Geduld haben, wir müssen versuchen das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen. Wir haben es ja auch versucht, wir haben auch in der zweiten Halbzeit mit dem Kevin Kuranyi, der hat seine Sache auch ganz ordentlich gemacht danach. Aber grundsätzlich ist das natürlich richtig, wir haben - machen zu wenig Tore. Das ist ja ganz klar. Wir haben heute 0:0 gespielt, das ist natürlich zu wenig. Aber trotzdem möchte ich ein bisschen den Sebastian Kehl in Schutz nehmen. Ich weiß, unsere - meine beiden Jungs von der ARD, der Günter und natürlich auch Delling, die natürlich - von dem Delling ist natürlich schon ne Sauerei, was der hier sagt, das muss ich hier schon mal so sagen. Ich kritisiere die Mannschaft, aber ich muss natürlich auch die Mannschaft in Schutz nehmen. Was der Delling macht ist nicht in Ordnung."

WH: "Was meinen Sie da jetzt genau?"

RV: "Ja, einfach diese Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch mal ein Tiefpunkt, dann gibt’s noch mal einen niedrigeren Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck einfach nicht mehr hören, muss ich ganz ehrlich sagen. Da stelle ich mich vor die Mannschaft. Natürlich war das heute nicht in Ordnung, auch nicht in der zweiten Halbzeit. Aber man sollte schon mal überdenken, wenn man solche Berichterstattung macht, dass man - Also ich weiß nicht, woher die überhaupt das Recht nehmen, so was zu sagen. Kann ich nicht, verstehe ich nicht. Kann ich ganz ehrlich sagen."

WH: "Also die Frage war von Gerhard Delling, dass es ein Tiefpunkt war. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ..."

RV: "Nein, diese ganze Geschichte mit der Unterhaltung, diese Samstagabendunterhaltung. Dann soll er doch Samstagabendunterhaltung machen und kein Sport, kein Fussball. ..."

WH: "Er meinte ..."

RV: "... Er soll 'Wetten dass ...' machen, den Thomas Gottschalk ablösen, wenn ihm das lieber ist."

WH: "Das ist im anderen Kanal, das ist beim ZDF..."

RV: "... dann soll er dahingehen ..."

WH: "und es gibt eine Krise, dass hat auch schon die ARD gesagt, in der Samstagabendunterhaltung, und daher hätte er das genommen. Ich bin auch nicht der Rechtsbeistand von Gerhard Delling, bin aber auch Journalist und erlaube mir auch zu sagen, das wissen Sie auch selber, Sie haben das ja auch selber gesehen das Spiel, dass es in den ersten 45 Minuten, die Sie jetzt noch gut bewertet haben, ganz sicherlich auch ein statistisches Spiel war. Ich war hinter dem Tor gestanden, mit Sepp Meier, wir waren uns da auch einig. Es ist zu wenig gelaufen worden, man hat sich zu wenig angeboten, die deutschen Tugenden ..."

RV: "Das ist ja auch alles in Ordnung, aber ich kann diesen Käse nicht mehr hören und nach jedem Spiel, wenn wir kein Tor geschossen haben. Und dann ist noch ein tieferer Tiefpunkt als wir eigentlich schon hatten, so einen Scheiß, den kann ich nicht mehr hören. Also da werde ich - das ist für mich das Allerletzte, muss ich ganz ehrlich sagen. Wechselt den Beruf, ist besser."

WH: "Suchen Sie sich nicht im Moment den falschen ..."

RV: "Nein, ich suche mir genau den richtigen heraus ..."

WH: "... den falschen Gegner heraus? ..."

RV: "Ich sitze jetzt hier, ich sitze jetzt seit drei Jahren hier und muss mir diesen Schwachsinn immer anhören. Das ist einfach so."

WH: "Ja, aber die Mannschaft ist doch Ansprechpartner, der allererste. Wenn die ein gutes Spiel machen, ..."

RV: "Ja, die kriegen auch ihr Fett weg, aber ich kann diesen Käse nicht mehr hören. Immer nach jedem Spiel, ich kann mich nur wiederholen, diese Geschichte mit diesem Tiefpunkt und noch mal tiefer. Natürlich, wir haben heute - und dann hat der Sebastian Kehl, wir haben heute Recht, wir haben heute beim Tabellenführer gespielt. Wir haben 0:0 gespielt, das ist sicherlich nicht in Ordnung, das ist sicherlich ein Tick zu wenig für unsere Ansprüche. Wir sind Vizeweltmeister, da muss ein bisschen mehr kommen. Aber diesen Scheiß, der da immer gelabert wird, da sollten sich alle mal Gedanken machen, ob wir in der Zukunft so weitermachen können. Immer diese Geschichte alles in den Dreck ziehen, alles runterzuziehen, das ist das Allerletzte, und ich lasse mir das nicht mehr so lange gefallen, das sage ich Euch ganz ehrlich."

WH: "Rudi, darf ich noch einmal zu dem Spiel heute zurückkommen?"

RV: "Ja, gerne."

WH: "Okay. Da ist eine isländische Mannschaft, die meisten isländischen Spieler spielen in England in der zweiten Division, sind da auch nicht Stammspieler. Wir müssen doch eigentlich von der Position her, die wir haben, von der Besetzung, die wir hier haben, die Mannschaft klar beherrschen. Das haben wir nicht."

RV: "Ach, wieso müssen wir die Mannschaften klar beherrschen? Die spielen doch - die Isländer sind Tabellenführer, das weißt Du oder nicht?"

WH: "Ja."

RV: "Sind sie Tabellenführer oder nicht?"

WH: "Richtig. Die spielen ..."

RV: "Ja, also. Da müssen wir den Gegner auswärts klar beherrschen? In welcher Welt leben wir, lebt Ihr denn alle? Ich hab doch die Mannschaft ..."

WH: "Ne, ich hab’ gedacht, in der einzelnen Position, wenn ich eins zu eins vergleiche ..."

RV: "Nein, ich hab doch die Mannschaft kritisiert, ist doch ganz klar. Das war heute nicht in Ordnung, da war zu wenig Laufbereitschaft und Mittwoch werden nur die Leute spielen, die sich wirklich hundertprozentig den Arsch aufreißen. Aber Ihr müsst doch mal von Eurem hohen Ross runterkommen. Was Ihr Euch alle immer einbildet, was wir für einen Fußball hier in Deutschland spielen müssen. Ihr habt doch früher - der Günter, was die für einen Scheiß gespielt haben! Da konntest du doch früher gar nicht hingehen, die haben doch Standfußball gespielt, früher."

WH: "Also, ich komme noch mal auf das zurück, ich schaue mir auch das Spiel an und wir sind uns in der Beurteilung dieser Spiele auch einig. Ich kann jetzt nicht verstehen, warum die Schärfe reinkommt."

RV: "Die Schärfe bringt Ihr doch rein. Müssen wir uns denn alles gefallen lassen?"

WH: "Ja, ich hab doch keine Schärfe jetzt da reingebracht."

RV: "Ja, Du nicht. Du sitzt locker bequem auf Deinem Stuhl und hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker."

WH: "Also, in Island gibt es kein Weizenbier, zu meinem - muss ich ganz ehrlich sagen. Ich bin auch kein Weizenbiertrinker. Ich weiß auch nicht, ob wir jetzt in dem Stil weitermachen wollen. Du hast es ja gesagt, jetzt sind wir schon da, wo wir waren, warum sollen wir nicht zu dem Du kommen, wo wir schon lange sind? Am Mittwoch müssen die da sein, die sich „den Arsch aufreißen“. Sitzen die auf der Bank, oder sind die heute schon auf dem Feld gewesen? Und warum haben sie es heute nicht gemacht?"

RV: "Es ist war natürlich auch ein Gegner auf dem Platz. Natürlich war das von dem einen oder anderen nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Natürlich habe ich in der Halbzeit gesagt, wir müssen noch einen Tick drauflegen, im Prinzip, aber es wurde dann ein bisschen weniger. Es wurde eigentlich noch weniger als in der ersten Halbzeit. Aber ich verstehe nicht, immer dieses hohe Ross, das alle haben, ich kann das nicht verstehen. Warum, Island ist Tabellenführer gewesen. Natürlich müssen wir hier normalerweise etwas besser spielen, aber es kann doch keiner von uns verlangen, dass wir hierher fahren und die Isländer 5:0 wegputzen!"

WH: "Naja, das hat ja auch keiner gesagt."

RV: "Aber so redet Ihr doch alle! Dass wir hier herfahren müssen, unsere Ansprüche sind so: Wir müssen hier mal locker herfahren, und wir müssen die ganz locker wegputzen."

WH: "Also, ich muss jetzt auch schon mal ganz deutlich sagen, Rudi, das macht hier nicht die ARD, das macht nicht das ZDF, und wir machen uns keine Gaudi daraus. Das machen wir nicht für unser Poesiealbum und finden uns besonders toll und schlagen uns auf die Schulter."

RV: "Ne? Bist Du sicher?"

WH: "Ja, also ja, ich kann auf jeden Fall für mich sprechen."

RV: "Na okay."

WH: "Ich habe auch keine drei Weißbier getrunken. Ich mache dieses Interview, und wir können danach die Alkoholprobe bei der Dopingprobe machen. Mit 0,0."

RV: "Jetzt sei nicht beleidigt."

WH: "Ich bin ja nicht beleidigt, Rudi, aber die Kollegen von den Zeitungen, die schreiben doch das auch, was sie glauben, was der Leser genauso merkt, da sind doch wir nicht die einzigen. Es ist doch nicht so, dass wir im luftleeren Raum schweben und die Zeitungen die deutsche Mannschaft in dem einen Jahr nach der Weltmeisterschaft ständig bewundert haben, ..."

RV: "Nein, überhaupt nicht, ..."

WH: "... das ist doch auch Ihr Team ..."

RV: "... nein, darum geht’s doch gar nicht. Das ist doch richtig, dass wir sicherlich in den letzten Monaten Spiele abgeliefert haben, die natürlich nicht in Ordnung waren. Das ist doch in Ordnung. Nur wehre ich mich dagegen, dass man nach solchen Spielen, dass man alles total in den Dreck zieht. Also wirklich, das ist allerletzte, unterste Schublade. Natürlich ist das nicht in Ordnung, ich hab's eben auch gesagt, da wehr ich mich natürlich auch dagegen. Am Mittwoch werden nur Spieler auftreten, die richtig Gas geben. Die Situation hat sich für uns auch nicht so viel verändert: Wir haben heute nicht verloren, wir hatten ein bisschen Glück, wir hätten auch verlieren können am Ende. Aber wir müssen die Schotten schlagen, das bleibt letztendlich."

WH: "Okay. Also, jetzt sind natürlich zwei ..."

RV: "... ’tschuldigung, die Geschichte mit dem Weizenbier habe ich nicht so gemeint - alles andere habe ich so gemeint, wie ich es gesagt habe."

WH: "Okay, und jetzt glaube ich auch, die zwei, die jetzt betroffen waren und die Du jetzt angegriffen hast, haben das Recht zu kontern, so wie im Fußball.

RV: "So, wie sie das in ihrer altbewährten Form eben machen."

WH: "Es ist Fussball, wir können eine Konferenzschaltung machen. Ist glaube ich, die fairste Nummer für eine Live-Sendung im deutschen Fernsehen. Wir haben Samstagabend, bessere Unterhaltung gibt’s gar nicht. Jetzt kommen Delling und Günter Netzer."

RV: "

WH: "Es ist Fussball, wir können eine Konferenzschaltung machen. Ist glaube ich, die fairste Nummer für eine Live-Sendung im deutschen Fernsehen, ..."

RV: "Ja, von mir aus. Alles klar."

WH: "... wir haben Samstagabend, bessere Unterhaltung glaube ich, gibt’s gar nicht. Jetzt kommen Delling und Günter Netzer."

RV: "Der Unterhaltungschef Delling kommt jetzt."

WH: "Okay."

3. Akt: Die Antwort des Experten-Duos, Sportschau (1:44)

GD: "Ja, ganz so schlimm ist es nicht. Aber da muss man auch mal durchschnaufen, offenes Visier. Machen wir von hier oben aber auch. Und das mit dem hohen Ross, ich glaube, das haben wir nicht dabei. Und wir gucken dieses Spiel und bewerten das und müssen nach wie vor sagen, es war kein gutes Spiel und man hätte sich mal gewünscht, dass der eine oder andere so aus sich herauskommt wie Rudi Völler."

GN: "Das ist in der Tat so. Und ich zieh mir diesen Schuh ebenfalls an. Nicht nur, dass er mich angesprochen hat, was wir in der Vergangenheit für ein Scheiß gespielt haben. Das sage ich oft genug hier, dass wir einen schönen Mist gespielt haben, früher. Nur: Die Anhäufung der schlechten Spiele dieser Mannschaft von Rudi Völler, das ist etwas, was zu bedenken gibt. Das war bei uns nicht der Fall. Wir sind in Albanien ausgeschieden, wir haben auf Zypern verloren. Aber dann kamen zehn gute und überragende Spiele. Das kann ich hier überhaupt nicht feststellen. Und wir haben nicht übermäßig kritisiert hier. Die können froh sein, dass sie bei uns beiden im letzten Jahr so weggekommen sind."

GD: "Trotzdem muss man mal eines sagen, was ja auch durchklang bei Rudi Völler. Vielleicht ist er ja einfach gedanklich ein bisschen weiter, um es positiv zu formulieren. Er hat gesagt, wir erwarten einfach zu viel von dieser Mannschaft, und da muss ich ihm mittlerweile ehrlich gesagt Recht geben. Wir sind hier bei der deutschen Mannschaft beim Tabellenführer ganz offensichtlich, der es versteht, sozusagen Torchancen rauszuspielen und der sich so viel Chancen erspielt, dass man manchmal Angst haben muss."

GN: "Aber was ist das für eine Aussage. Wir erwarten zu viel von der deutschen Mannschaft, die hier in Island nicht nur nicht gewinnen kann, sondern eine Art Fußball spielt, den wir nicht tolerieren können. Das sollten wir nicht tun. Wir sollten diese Maßstäbe nicht anlegen, dass wir solche Schwierigkeiten haben, selbst mit dem Tabellenführer, weiß der Teufel wie der da hingekommen ist, Island Tabellenführer. Da gehören wir hin. Deutschland gehört in die Tabellenführung. So, und diese Ansprüche wollen wir uns von Rudi Völler nicht wegnehmen lassen. Die müssen wir nach wie vor besitzen im deutschen Fußball."

4. Akt: Schlussinterview mit Rudi Völler und Waldemar Hartmann, Sportschau (3:21)

WH: "Also, liebe Zuschauer, ich denke Sie waren von Anfang bei dieser auch verbalen Auseinandersetzung ohne Ball mit dabei und haben das mitbekommen... Hier in Reykjavik haben schon russische Staatsoberhäupter und amerikanische Präsidenten Friedensgespräche geführt. Ich will jetzt nicht den Friedensnobelpreis gewinnen... Ist diese Auseinandersetzung, die jetzt zustande gekommen ist, auch ein Zeichen dafür, dass du einfach auch richtig sauer warst? Auch sauer auf die Leistung dieser Mannschaft?"

RV: "Ja, natürlich, vielleicht habe ich jetzt mit meinen Worten auch etwas überzogen. Der Günter hat ja ganz Recht, dass er das eine oder andere gesagt hat. Aber trotzdem bin ich der Meinung, gewisse Dinge, die gehören sich einfach nicht. Ich möchte das noch mal wiederholen, ich bin sonst nicht so wie der Erich Ribbeck oder der Berti Vogts, die dann immer jahrelang in ihrem Stuhl festgeklebt haben, egal was die Journalisten geschrieben oder was ihr im Fernsehen gesagt habt. Das ist mir das Ding nicht wert. Ich versuche so weit und bestmöglich hier mein Ding zu machen, dass wir erfolgreichen und schönen Fußball spielen. Immer gelingt uns das nicht. Und manchmal, wie heute, siehts natürlich auch ein bisschen schlechter aus. Nur, eins müssen wir uns merken, und auch was der Günter gesagt hat: Wir haben zwar früher mal ein schlechtes Spiel gemacht, danach aber zehn überragende. Diese zehn überragenden Spiele hätte ich gern mal gesehen. Da muss man auch lange zurückblättern, das muss noch vorm Zweiten Weltkrieg gewesen sein. - Ich bin natürlich schon sauer auf meine Mannschaft. Aber dann muss ich den Herrn Delling hören... So extrem negativ zu sein, das kann ich nicht akzeptieren. - Ich weiß, man kriegt jetzt wieder auf die Nuss. Aber das kann ich ab. Ich brauche nicht immer nur, dass alle 'Rudi, Rudi' schreien, du bist der Größte und der Schönste. Will ich gar nicht. Ich will nur, dass ordentlich berichtet wird!"

WH: "Wenn die Mannschaft so viel Elan und so viel Feuer hätte wie ihr Teamchef, wäre er wahrscheinlich weiter. Und wir müssten nicht noch zwei Heimspiele zittern. Rudi, ich danke dir."

RV: "Danke."